Die Geschichte des Kölner Rathausturms

Der Rathausturm, korrekt benannt "Ratsturm", ist der markanteste, weithin sichtbare Teil des Kölner Rathauses. Der Rat der Stadt beschloss 1406 den Turm als sichbares Zeichen städtischer Macht bauen zu lassen. Man sah, und das ist auch heute noch durchaus nachvollziehbar, die Belfriede niederländischer Städte als Vorbild. Türme waren bis dahin Teile der Kirchen und damit indirekt Zeichen kirchlicher Macht. Insofern ist der Bau des Rathausturms ein weiteres deutliches Zeichen der Emanzipation des Bürgertums von der Kirche.

Der spätgotische Bau wurde zwischen 1407 und 1414 errichtet. Auf qudratischem Grundriss erheben sich zwei Geschosse, auf die zwei achteckige Geschosse und der Turmhelm bis zu einer Höhe von 61 Meter aufgesetzt sind. Auf Steinsockeln wurden Steinskulpturen von insgesamt 124 Perönlichkeiten, die für die Geschichte Kölns bedeutsam waren, aufgestellt.

Von Beginn an hatte der Turm nicht nur sinnbildlich repräsentative Funktion, sondern er diente auch schon im Mittelalter der Aufbewahrung von wichtigen Schriftstücken. Auch damals wurden schon in großer Zahl "Akten produziert", Unterlagen, die für die Verwaltung, für den Austausch mit Partnern, für Handelsbeziehungen und politische Verträge wichtig waren. Im Kölner Rathausturm wurde darüberhinaus für lange Zeit der gesamte Aktenbestand der Hanse, des norddeutschen Städtebundes gelagert. Im obersten Geschoß war die Wachstube des Feuerwächters.

Die den Turm seit seiner Vollendung schmückenden steinernen Skulpturen verwitterten und zerfielen im Laufe der Jahrhunderte. Um 1800 hatte das Turmäußere seinen Schmuck fast vollständig eingebüßt.

Dieses Gemälde aus der Mitte des 18. Jahrhunderst (um 1789) zeigt den Rathausturm mit der angrenzenden Rathauslaube idealisiert auf einem großen Platz, den es in Wahrheit nie gegeben hat. Auf dem Bild selbst sind ein paar interessante Einzelheiten zu sehen: Nicht nur ein Fuhrwerk, sondern auch eine prächtige Kalesche, mehrere Grüppchen von "Hären", die sicher Wichtiges zu besprechen haben, drei Jungen im Vordergrund bei einer Art Ringwurfspiel und drei Hunde:

25620-Rathausturm-Koln

Eine andere Ansicht auf einem Kupferstich um 1790

Unten links im Bild ein Stein mit der Aufschrift "Domus Senatoria Coloniae Augustae Agrippinensium das Stattcollnische Radt"

63897-Rathausturm-Koln

Rathausturm- und laube sowie Spanischer Bau 1870

Das Foto zeigt die Situation vor der Kriegszerstörung mit Blick von Süden:

66078-Rathausturm-Koln

Rathauslaube und Rathausturm um 1900:

100100-Rathausturm-Koln

Blick auf den Ratsturm von Norden durch die Budengasse um 1910

Von Unter Taschenmacher also "quasi vum Sion uss" über die Kleine Budengasse ist etwas höher gelegen am Ende der Bürgerstr. der Rathausturm zu erkennen. Interessant ist, dass damals die Strassenbahn durch Unter Taschenmacher führte und in die Kleine Budengasse Richtung Altermarkt abbog. Man konnte also bis "beim Sion vür de Düür" fahren. Durch die parallel verlaufende Bechergasse konnte keine Straßenbahn fahren, die war so eng, das man mit ausgestreckten Armen fast die gegenüberliegenden Häuser berühren konnte.

 

38088-Rathausturm-Koln

 

Spitze des Rathausturms um 1930

Auf der Spitze des Turms erkennt man das Glockenspiel, "Et Jlockespill vum Rothuustoon". Der Turm, der mit den Belfrieden niederländischer Städte verglichen werden kann und deren Formensprache deutlich nachempfindet, wurde wie viele niederländische Türme mit einem Glockenspiel ausgestattet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde ein neues, ein sog. "Carrillon", im Turm angebracht.

66080-Rathausturm-Koln

Ratsturm mit Portal von Westen um 1935

62357-Rathausturm-Koln

Im 2. Weltkrieg zerstörter Rathausturm

Von dem einst stolzen Turm ist nicht mehr viel übrig geblieben, fast alles ist den Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Der Rathausturm bzw. seine Reste ragen wie ein Symbol der Stunde Null zum Kriegsende 1945 aus den übrigen Trümmern.

320252-Rathausturm-Koln

 

Hier zwei Fotos kurz nach Kriegsende,

62334-Rathausturm-Koln

62333-Rathausturm-Koln

Zustand des Turms beim Wiederaufbau 1951

Deutlich erkennbar sind die senkrechten Stahlbetonpfeiler, die die Ruine des historischen Rathausturms sicherten und für die Zeit des Wiederaufbaus stützten. Die Baugerüste der damaligen Zeit bestanden aus Holzstangen, die mit Eisenkrampen und Seilen verbunden wurden. Erste Stahlrohrgerüste kamen erst zum Ende der 50er Jahre in Gebrauch. Auch die Stützen der Schalungen wurden vor Ort aus Holzstangen und Brettern zusammengezimmert. Ansicht vom Alter Markt:

429352-Rathausturm-Koln

 

Foto von 1953. Der Wiederaufbau läuft noch schleppend, es gab zu der Zeit wichtigere Themen als den Rathausturm. Im mittleren Bereich erkennt man die stützenden Ziegelwände, ein Gerüst zum Aufbau des Daches entsteht.

59726-Rathausturm-Koln

Rathausturm und Umgebung des Rathauses im Wiederaufbau 1954

Man sieht massive Anstrengungen des Wiederaufbaus in der ganzen umgebenden Altstadt.

62339-Rathausturm-Koln

62370-Rathausturm-Koln

Stand des Wiederaufbaus des Kölner Ratsturms 1966

Dach und Wetterfahne sind fertig, das neue Glockenspiel funktioniert seit 1958. Über die Gerüste wird an den Turmfiguren gearbeitet.

53761-Rathausturm-Koln

 

In der heutigen Zeit kann man sich kaum noch vorstellen, dass der Ratsturm sowie alle angrenzenden Gebäude des Rathauses vor 2 Generationen völlig zerstört waren. Hier ein Luftbild mit Ansicht vom Alter Markt.

141363-Rathausturm-Koln

 

337882-Rathausturm-Koln