Wo Kunst im passenden Rahmen bleibt - Der Kölner Werkladen hat internationales Renommée

April, 2003

Eine Straße so trist wie graue Novembertage. Hier ist nichts los - abgesehen von den Autos, denen eine Ampel schnelles Weiterfahren verwehrt. An der Ecke dämmert eine ehemalige Kneipe vernachlässigt vor sich hin, gegenüber wartet ein Gebrauchtwagenhändler auf Kunden - nein, der Eifelwall in Köln hat nichts Verlockendes, nicht mal morbiden Charme. Wer würde hier schon irgendetwas erwarten?

Wie man sich irren kann, wird erst auf den zweiten Blick klar. Eine blaue Markise gibt dem Auge Halt in all der Öde. Darüber der schlichte Schriftzug „Werkladen". Völlig unspektakulär die Optik, aber sonderbarerweise auch anziehend. Kleine Schaufenster, eine schmale Tür - und zwei Stufen tiefer beginnt die Faszination. Verschachtelte Räume, Ecken, Kanten, Vorsprünge, versetzte Ebenen - wie ein fehlerhaftes Puzzle, verteilt auf mehrere Häuser. Und an den Wänden Rahmen, nichts als Rahmen, in allen Formen, Farben und Materialien - mit und ohne Kunst. Der Werkladen entpuppt sich als eine der renommiertesten Adressen Deutschlands für Künstler, Galerien, Museen und Privatleute, die ihre Bilder, Fotos, oder Halbreliefs adäquat gerahmt präsentieren wollen. Das Gemeinschaftswerk der Zwillingsbrüder Christoph und Herbert Küppers (53) wird auch (fast) in brüderlicher Arbeitsteilung geführt. Herbert regelt das Betriebswirtschaftliche, Christoph, eine Viertelstunde jünger, ist für Verkauf und Kundenberatung zuständig.

Bruderschaft mit Frauenpower

Weibliche Attribute in die Geschäftsführung bringt Heidrun Rollert, die mit sympathischer Kompetenz agiert und jeden Gedanken an eine Quotenfrau im Keim erstickt. Alle drei bilden eine sehr erfolgreiche Allianz, die auch international einen hervorragenden Ruf genießt.
An der Wiege gesungen war den Söhnen des Kieferchirurgen Gerhard Küppers ihr Handwerk nicht.
Christoph eloquent und kontaktfreudig, hatte 1982 sein zweites Staatsexamen als Lehrer für Sozialwissenschaft und Geschichte in der Tasche, als er dem Rotstift im Lehrbereich zum Opfer fiel. Nach etlichen Tätigkeiten, die alle nicht sein Ding waren, stieg er 1984 ins Geschäft seines Bruders ein.

Herbert, ruhig, ein bisschen distanziert und von Hause aus Historiker, hatte am heutigen Standort mit einem „Kramladen" angefangen, entdeckte aber bald seine Vorliebe für schöne Bildpräsentationen und spezialisierte sich aufs Rahmengeschäft. Als die Brüder dann 1984 ihre Talente vereinten, war der Erfolg nicht fern. Inzwischen beschäftigt der Werkladen 20 feste Mitarbeiter, die in Montage und Schreinerei, Passepartout-Abteilung und Färberei sowie beim Vergolden Handarbeit von höchster Qualität abliefern. Fertigkeiten, die auch viele Galeristen und Künstler in New York ebenso schätzen wie Aussteller auf der Photo Paris, der Art Cologne, laut Christoph „der Höhepunkt im Jahr", oder der Art Basel, eine der wichtigsten Kunstmessen weltweit.
Zudem gibt es zwischen Bonn und Düsseldorf kein Museum, für das die Küppers noch nicht tätig geworden sind.
Unübersehbar ist die Vielfalt der Leisten an den Wänden. Ein Angebot, das erschlägt, verunsichert - oder süchtig macht. Schlichtes aus edlen Hölzern, coole Aluleisten, Metall in allen Farben, üppige Gold- und Silbereinfassungen, schwarze Lackmodelle mit Goldeinblockungen - hier scheint alles versammelt, was je erfunden wurde, um Bildern Halt zu geben. Naheliegend, dass da Beratung wichtig ist - und Zeit braucht.

Hat man nämlich erst mal Passendes gefunden, geht's ans Glas. Und das ist eine Wissenschaft für sich. Floatglas, Reflo-Glas, UV-Schutz-Glas „opti white" oder interferenzoptisch entspiegeltes Glas - wem sagt das schon was? Das muss man sehen, um Vor- und Nachteile zu erkennen. Im Werkladen werden die Unterschiede mit Modellen verdeutlicht, was aber nicht heißt, dass nur zu teuren Varianten geraten wird.
„Im Vordergrund steht der individuelle Zweck" sagt Christoph Küppers. „Auch einfache Lösungen wie etwa qualitativ gute Wechselrahmen, die es in der Größe 30 mal 40 mit Glas und Rückwand schon ab 12,50 Euro gibt, können auf jeden Anspruch zugeschnitten werden." Dass das Werkladen-Trio Service, Modeströmungen, und alte Handwerkskunst wohl perfekt verbindet, beweisen nicht zuletzt Auszeichnungen wie erste Preise vom Bundesverband Bild & Rahmen, des Messepublikums auf der „Ambiente" Frankfurt und des Nielsen-Wettbewerbs, den eine US-Firma ausschreibt, die weltweit führend bei Galerie-Schienen und Alurahmen ist.