"Der erste Impuls ist häufig der Richtige"

September, 2006

Kölner Stadt-Anzeiger 8./9. April 2006

Aus der Serie "Mein Tag" im Kölner Stadtanzeiger: Heidrun Rollert ist Mitinhaberin des Werkladens Rahmen & Bild Köln. Für Kunst hatte sie zwar schon immer ein Faible, zunächst wurde sie aber Diplompädagogin.

Das Geschäft macht schon einen Großteil meines Lebens aus, aber im Moment habe ich privat noch so eine Art Bauleitung. Ich ziehe mit meinem Lebensgefährten nach Ostern in eine neue Wohnung, die wird gerade umgebaut. Die Planung und Zusammenarbeit mit den Handwerkern, das macht mir richtig Spaß. Wahrscheinlich wäre Innenarchitektur gar nicht so schlecht gewesen, das wollte ich mal studieren und habe deshalb nach dem Abi ein halbes Jahr in einer Schreinerei gearbeitet. Aber dann kam es doch ganz anders. Ich hatte zwar schon immer ein Faible für Kunst, wurde aber erst mal Diplompädagogin und habe neun Jahre im Kölner Frauenhaus gearbeitet, dann aber gemerkt, dass ich das nicht ein Leben lang machen wollte. Da ich persönliche Kontakte zu den Leuten vom Werkladen hatte, bin ich 1984 mit eingestiegen.

Angefangen haben wir damals - noch beeinflusst von der 68er Zeit - als alternativer Gemischtwarenladen. Heute sind wir ein Unternehmen mit 25 Beschäftigten und arbeiten als Einrahmer für Privatleute, Galerien und die Museen der Region. Ich habe alle Stationen im Betrieb durchlaufen und berate jetzt die Kunden - wobei übrigens die Erfahrungen aus der Sozialarbeit durchaus nützlich sein können. Wenn ein Kunde mit einem Bild kommt, habe ich oft eine direkte Vorstellung vom passenden Rahmen. Natürlich biete ich immer Alternativen an, aber der erste Impuls ist häufig der Richtige. Es geht immer darum, den Geist eines Bildes - auch wenn das jetzt pathetisch klingt - zu erkennen und ihn bestmöglich zu unterstützen. Wichtig ist mir dabei, jedes Stück mit Achtung zu betrachten. Auch ein einfacher Kunstdruck kann für den Besitzer einen sehr hohen persönlichen Wert haben. Rein handwerklich achten wir darauf, dass unsere Rahmungen restauratorischen Anforderungen genügen. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir säurefreie Papiere benutzen.

Wenn ich morgens in den Laden komme, gehe ich erst mal durch Büro und Werkstatt und wir besprechen den Tag: Was muss auf jeden Fall fertig werden, was hat noch Zeit? Danach stehen dann die Telefonate mit den Galerien an und die Beratung der Kunden. Für die Organisation der Abläufe bis hin zum abendlichen Tagesbericht haben wir ein eigenes Computerprogramm entwickelt. Besonders reizvoll sind für mich die kniffligen Aufträge. Manchmal kommen Künstler und suchen nach individuellen Lösungen für ihre Werke. Und gerade sind wir dabei, einen Rahmen für ein mittelalterliches Bild nachzubauen, das geht nur Hand in Hand mit Historikern und Restauratoren. Und dann ist da noch ein Gefühl, ja, von Ehrfurcht. Manche Arbeiten berühren mich einfach sehr stark. Zur Kunst-Sammlerin bin ich allerdings nicht geworden, für die „große Kunst“ fehlt dann doch Zeit und Geld.

Durch meine Arbeit habe ich aber viele Kontakte zur Kunstszene und beobachte, wie der Kunststandort Köln an Attraktivität verliert. Noch beeinflusst das nicht unser Geschäft, aber wer weiß, was wird, wenn noch mehr Galerien aus der Stadt abwandern. Einige der rheinischen Sammler kaufen inzwischen lieber in London, weil sie in Köln nicht die richtige Atmosphäre finden. Die Kulturpolitik der Stadt Köln hat sich da verheerend ausgewirkt