Investieren und nicht konsumieren

Oktober, 2008

Der Kunsthandel 10-2008

Während große Teile der Branche Umsatzeinbrüche vermelden und über die schwierige Konjunktur klagen, gibt es andere, die einen konsequenten Wachstumskurs fahren. Dazu zählt der Bild & Rahmen Werkladen in Köln. Mit Einsatz, Kreativität, Investitionsbereitschaft und strenger Qualitätskontrolle hat sich der Alternativbetrieb zu Deutschlands größtem Einrahmungsunternehmen entwickelt.

Beim Thema Qualität kennt Herbert Küppers kein Pardon. Wenn die gelieferte Ware seinen Vorstellungen nicht entspricht, geht sie postwendend zurück. Und wenn ein Lieferant bestimmte Standards nicht halten kann, dann wird die Zusammenarbeit beendet. „Wir verkaufen unseren Kunden keinen Mist", so der Gesellschafter und Geschäftsführer von Werkladen Bild & Rahmen, „und dafür nehmen wir es auch gerne in Kauf, bei den Zulieferern als penibel zu gelten."
Gemeinsam mit Heidrun Rollert und seinem Zwillingsbruder Christoph hat der studierte Historiker und Soziologe Herbert Küppers das Unternehmen in den 30 Jahren seiner Existenz ständig ausgebaut. Ende der 70er Jahre, als in den Großstädten die Fahrradläden, Buchläden und Bioläden ihre große Zeit hatten, wurde der Betrieb als alternative Ökonomie gegründet. Heute zählt der Werkladen 30 Mitarbeiter und erstreckt sich auf rund 900 Quadratmetern über fünf Gebäude am Kölner Eifelwall.
Rund 50 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen mit Galerien, den Rest mit Museen, Behörden, Wirtschaft, Künstlern und Privatpersonen.
Das Besondere: Die Kundschaft ist international. Herbert Küppers: „Es gibt Galerien aus der Schweiz, England, Frankreich, aber auch aus den USA oder Japan, die bei uns einrahmen lassen, wenn sie in Deutschland geschäftlich aktiv werden." Auch namhafte Museen wie das Haus der Geschichte in Bonn oder in Leipzig lassen ihre Rahmungsgrundausstattung im Werkladen machen. Die Kunden werden im Normalfall durch Empfehlungen oder Gespräche mit Kollegen auf die Kölner aufmerksam. Küppers: „Wir sind dafür bekannt, dass wir kreative, gute Arbeit machen und dass wir nicht billig sind."
Kreativität und Innovativität sind für die sehr gute Entwicklung der Firma sicher mit verantwortlich. Die jährlichen Wachstumsraten liegen fast immer im zweistelligen Bereich. Auch die hohe Investitionsbereitschaft trägt ihren Teil dazu bei. Herbert Küppers dazu: „Ich brauche kein dickes Auto, aber ich brauche einen automatischen Passepartoutschneider." Das Ergebnis dieser ständigen Suche nach Neuem und des ständigen Strebens nach Verbesserung ist ein Betrieb, der trotz der komplizierten räumlichen Situation in mehreren verwinkelten Gebäuden und über verschiedene Etagen, über effektive Abläufe und eine ausgeklügelte Logistik verfügt. Die Produktion wird über eine zentrale EDV gesteuert. Die Produktionsbereiche sind fast wie bei einem Industrieunternehmen aufgeteilt: Färberei, Schreinerei, Wechselrahmenfertigung, Passepartoutabteilung, Lager, Zentralbüro.
Bei einem Einrahmer dieser Größe versteht es sich von selbst, dass alle namhaften deutschen Rahmen- und Leistenhersteller im Sortiment sind. Vorausgesetzt natürlich, sie erfüllen die strengen Kriterien für die gelieferte Ware. Herbert Küppers: „es gibt Hersteller, zu denen haben wir nach mehreren vergeblichen Versuchen einer Zusammenarbeit die Geschäftsbeziehungen abgebrochen. Entweder waren sie unzuverlässig oder die Produkte waren in Sachen Verarbeitung wesentlich schlechter als zum Beispiel die Muster. Die besten Erfahrungen haben wir bisher mit Spagl gemacht. Da stimmt von der Qualität bis zum Service alles."
Es genügt natürlich nicht, wenn nur die Inhaber diese hohen Ansprüche haben, sondern alle Mitarbeiter müssen dazu beitragen, dieses Niveau zu halten. Deshalb sind die Inhaber besonders kritisch, bevor eine Einrahmung die Geschäftsräume verlässt. Herbert Küppers: „Wir lassen nichts durchgehen und arbeiten ständig daran, noch besser zu werden."
Neben einem Prämiensystem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen auch regelmäßige Personalgespräche zur Motivation bei. Quereinsteiger, die es im Werkladen neben Schreinern, Glasern, geprüften Bilderrahmnern und einem Ingenieur auch gibt, müssen aber einen gewissen Feinsinn für Bilder und Rahmen mitbringen. Herbert Küppers: „Ohne diesen Feinsinn geht in unserer Branche gar nichts."